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Affen im Aus

Daniel Lingenhöhl kommentiert, warum Deutschland Mitschuld am Aussterben der Menschenaffen hat

Herman-Cain_photo_medium.jpgDer letzte frei lebende Orang-Utan Indonesiens könnte 2022 das Zeitliche segnen: Bis dahin werden wohl 98 Prozent aller geeigneten Regenwälder Borneos und Sumatras - der letzten Heimat der roten Menschenaffen - zerstört sein, wie eine neue Studie von Christian Nellemann und weiterer Forscher im Auftrag des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) darlegt. Nicht einmal in Nationalparks sind die Tiere sicher, denn in 37 von 41 untersuchten Schutzgebieten wird hemmungslos Holz eingeschlagen und Wald in Agrarland umgewandelt. Zusätzlich belasten illegaler Bergbau, Rodungsfeuer und die ebenfalls ungesetzliche Jagd auf die Orang-Utans den Bestand. Seit dem Jahr 2002 hat sich ihr Bestand von schätzungsweise 60 000 Individuen um die Hälfte reduziert - allein den Feuersbrünsten Ende 2006 fielen mindestens 1000 Exemplare zum Opfer.

Mitschuldig an dieser Misere ist jedoch nicht allein die indonesische Regierung, die den mafiösen Strukturen im Holzgeschäft nicht Herr wird - die meisten Rodungen gehen schließlich auf das Konto ausländischer und einheimischer Unternehmen mit Verbindungen in höchste Militär- und Regierungskreise und nicht auf jenes armer Landbewohner. Ein großer Teil der Verantwortung liegt gleichermaßen bei europäischen und insbesondere deutschen Politikern, die sich weigern, den südostasiatischen Realitäten ins Auge zu schauen und dabei neben dem Arten- auch noch den Klimaschutz vernachlässigen.

Denn trotz mehrmaliger Appelle der indonesischen Regierung an die Europäische Union und deren wichtigsten Staaten, strikter gegen den illegalen Handel mit Tropenhölzern vorzugehen, bleibt die hiesige Gesetzgebung weit hinter den nötigen Vorgaben zurück. So hatte der Bundestag erst letzten November mit Stimmenmehrheit der großen Koalition ein Urwaldschutzgesetz zurückgewiesen, das Kauf und Verkauf von Raubholz unter Strafe hätte stellen sollen. Begründet wurde dies offiziell - unter anderem von Umweltminister Sigmar Gabriel - mit einer EU-Verordnung zum Klimaschutz, mit der ebenfalls der Schutz von Tropenwäldern geregelt werden soll (Forest Law Enforcement, Governance and Trade, genannt FLEGT). Sie stünde rechtlich über nationalem Recht und würde somit die inländische Gesetzgebung einschränken, so die Argumentation der Bundesregierung.

Tatsächlich ist aber das Gegenteil der Fall, wie noch vor dem aktuellen UNEP-Bericht das ARD-Magazin "Monitor" am 16. November 2006 darlegte. Demnach empfiehlt die Europäische Komission nachdrücklich, dass auf nationaler Ebene ebenfalls Gesetze gegen den Handel mit Holz aus illegalen Quellen erlassen werden sollen. FLEGT regelt dagegen nur den Im- und Export der EU. Hölzer, die nach Überwinden dieser Hürde innerhalb der Gemeinschaft fluktuierten, blieben straffrei veräußerbar. Wie "Monitor" weiter ausführte, bedienten sich die Abgeordneten bei ihrer Ablehnung sogar der Wortwahl, wie sie von Lobbyisten der Holzindustrie argumentativ vorgegeben und von Rudolf Luers, dem Geschäftsführer des Gesamtverbands Deutscher Holzhandel, im Interview bestätigt wurde. Wohl nicht nur die Umweltorganisation WWF sieht darin eine Kapitulation vor der Wirtschaft und der international operierenden Holzmafia: Rund neunzig Prozent der Deutschen sprechen sich laut einer Forsa-Umfrage für stärkeren Urwaldschutz aus.

Und noch in einem weiteren Punkt stellen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Umweltminister profane wirtschaftliche Interessen über Natur- und Klimaschutz. Zu einer echten und vor allem rapide zunehmenden Bedrohung für die Orang-Utans (und viele Regenwälder weltweit) wird der Anbau von Ölpalmen, aus deren Früchten unteranderem Biodiesel gewonnen wird. Nach Angaben vom WWF ist Deutschland weltgrößter Importeur für Palmkernöl, siebtwichtigster Abnehmer von Rohpalmöl und insgesamt der zweitgrößte Handelspartner für indonesisches Palmöl in der EU nach den Niederlanden. Etwa 14 Millionen Hektar Land sollen in den nächsten Jahren zu Ölpalmenplantagen werden, um die wachsende Nachfrage zu decken. Zu großen Teilen geschieht dies auf ehemaligen Regenwaldflächen, deren Bewuchs zuvor mit Feuer vernichtet wurde - dessen Emissionen den Treibhauseffekt verschärfen und Südostasien unter eine gesundheitsgefährdende Rauchwolke setzen.

Derlei gravierende Nebenwirkungen übersehen die Bundesregierung und die Europäische Kommission allerdings geflissentlich: Nicht anders ist ihre verbindliche Initiative für mehr - angeblich klimaschonenden - Biosprit an europäischen Zapfsäulen zu verstehen. Ein kontraproduktives und für die Orang-Utans wohl tödliches Unterfangen, sollten nicht umgehend wasserdicht zertifizierte Herkunftsnachweise von Palmöl zur Pflicht und damit der Schutz der südostasiatischen Rest-Regenwälder zur obersten Priorität werden.

Zudem muss schleunigst ein Gesetz gegen den illegalen Holzhandel erlassen werden, der neben ökologischen übrigens auch größere soziale und humanitäre Katastrophen zur Folge hat - die wiederkehrenden tödlichen Fluten und Hangrutschungen in Indonesien beweisen es. Das und ein ganz profanes ethisches Argument sprechen für mehr Urwaldschutz: Das Aussterben der Orang-Utans (und damit eines unserer nächsten Verwandten) wäre eine Schande für die Menschheit - auch und vor allem für sich grün gerierende Politiker.
 
 
© spektrumdirekt
www.wissenschaft-online.de/artikel/864578
Palmöl meiden:
www.greenaction.de/beitrag/palmoelprodukte-auch-bei-uns
www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/waelder/Greenpeace_palmoel.pdf
lllegaler Holzhandel meiden:
www.wald.org/was_tun/hintg1p.php
klima-media.de/2010/01/29/eu-will-gesetzliche-handhabe-schaffen-illegalen-holzvertrieb-besser-zu-verhindern/
www.kirsten-tackmann.de/bundestag/fraktion/agrarpol/4194039.html


Die größte Umweltsünde der Menschheitsgeschichte

 

Wie der viertgrößte See des Planten innerhalb von 50 Jahren zu kleinen Pfützen wurde.

 

Eine kleine Zusammenstellung von Dream-soldier

 

In den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts war der Aralsee der viertgrößte Binnensee des Planeten und gleichzeitig eine blühende riesige Oase in einer von kargen Wüstenlanschaft umgebenen Gegend. Dieser See liegt östlich des Kaspischen Meeres an der südlichen Grenze des heutigen Kasachstan zu Usbekistan, die zu Sowjetzeiten Teilstaaten waren und von ihr beherrscht wurden.



 Quelle: wikipedia

Der Aralsee besass eine Fläche von 66.900 km², das ist beinah die Fläche von Bayern. Noch vor dreißig Jahren war er einhundertzwanzig Mal so groß wie der Bodensee.



Aralsee im Jahr 1960 (Klett)

Zwei Ströme, der Amu-Darja und der Syr-Darja, speisten den See mit Wasser vom Dach der Welt, aus dem Pamir und dem Tien-Schan-Gebirge. Am Ufer des Aralsees gab es die berühmten Turgajwälder. Das waren Urwälder, in denen Tiger, Schakale, Hyänen und die schönsten Vogelarten lebten.

www.aralsee.org/aralsee.htm


Quelle:http://www.pbosetti.de/newswriter/data/images/aralsee.jpg

Ursachen der Aralseekatastrophe

Der Wasserspiegel des Aralsees war seit Urzeiten immer wieder Schwankungen ausgesetzt. Ein wichtiger Grund dieser Schwankungen liegt darin, dass die beiden Zuflüsse über flache Schwemmlandterrassen flossen, so dass bereits geringe Veränderungen des Flussbettes große Wassermassen umlenken konnten. Große Teile des Aralsees waren sehr flach, folglich reduzierte auch ein verhältnismäßig geringer Rückgang des Wasservolumens schnell seine Oberfläche. Auch bewirkten die heißen Sommer eine große Verdunstung, verstärkt durch die im Verhältnis zu seinem Volumen große Oberfläche des Aralsees (die mittlere Tiefe betrug etwa 16 Meter). Daher führte ein Ausbleiben der Zuflüsse sehr rasch zu einem starken Rückgang der Wassermenge. Die vorindustriellen Methoden der Bewässerung konnten dem Aralsee jedoch kaum Schäden beibringen.
Die Oasen des Südens, im Wesentlichen das heutige Usbekistan, gehörten dem Perserreich und dem Reich Alexanders des Großen an. Mit der russischen Herrschaft begann die Vergrößerung der bewässerten Flächen. Das Zarenreich entdeckte seine Kolonie als Rohstoffquelle: der Trend zur Baumwollmonokultur ist für die russische Kolonialzeit schon erkennbar. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden bereits 2,5 Mio. Hektar Land bewässert. In der Sowjetunion entstanden 1925 die heute unabhängigen Republiken. Ein wesentliches Interesse der Sowjetführung war es, Mittelasien als Rohstoffbasis zu nutzen. Die Sowjetunion sollte dank mittelasiatischer Baumwolle von Importen unabhängig werden. Die Landwirtschaft wurde kollektiviert, die Nomaden zur Sesshaftwerdung gezwungen. Der Fischfang im Aralsee hatte bislang kaum eine überregionale Rolle gespielt. Er wurde seit den zwanziger Jahren ausgeweitet. Ende der zwanziger Jahre wurden noch etwa 5.000 Tonnen Fisch im Jahr gefangen, diese Zahl stieg bis in die 50er Jahre auf 44.000 Tonnen. Der Fischfang ernährte etwa 60.000 Fischer mit ihren Familien.
Im Ferghanatal wurden Ende der dreißiger Jahre erste große Kanalprojekte in die Tat umgesetzt. Weitergehende Bewässerungspläne der Vorkriegszeit im Rahmen des "Stalinplans zur Umgestaltung der Natur" konnten zunächst nicht verwirklicht werden. Während des Zweiten Weltkrieges wurden Industriebetriebe aus dem Westen der Sowjetunion auch nach Mittelasien verlagert und bewirkten dort eine erste Industrialisierung. 1950 beschloss der Oberste Sowjet, den Kanalbau und die Neulandgewinnung zu forcieren – vor allem für die Baumwollproduktion.




Quelle:http://www.daniel-vanek.at/usbekistan/fotos/07f_269.jpg

Nach dem Tode Stalins 1953 begann Chruschtschow mit der ersten "Neulandkampagne", in der riesige Steppenflächen erstmals unter den Pflug genommen wurden. Auch Kanalbauten und Bewässerung von Wüstenflächen wurden gesteigert. Diese Politik wurde bis in die achtziger Jahre hinein fortgesetzt. Von 1950 bis 1990 stieg die bewässerte Fläche im Aralseebecken von 4,7 Mio. auf 7,9 Mio. Hektar, die Baumwollanbaufläche von über 1 Mio. auf drei Mio. Hektar. Der Reisanbau wurde nach 1960 vorangetrieben: die Anbaufläche stieg von 46.000 auf über 300.000 Hektar. Um diese Flächen bewässern zu können, wurden Tausende Kilometer Kanäle in den Sand gegraben. Der größte ist der Karakumkanal (heute Turkmenbaschi-Kanal). Mit seinem Bau wurde 1950 begonnen. Er zweigt bei Kerki aus dem Amu-Darja, durchzieht Turkmenistan in Richtung Westen auf einer Länge von ca. 1.500 km und bewässert vor allem das Land am Fuße des Kopet-Dagh-Gebirges. Der Kanal allein verursacht etwa 40 % des Wasserverlustes des Aralsees. Insgesamt verdunsten etwa 40 - 60 % der den Zuflüssen entnommenen Wassermenge aus diesen Kanälen oder versickern im Sand.



Quelle:http://www.n-ost.de/g2/main.php?g2_view=core.DownloadItem&g2_itemId=6855&g2_
serialNumber=7&g2_GALLERYSID=05525876ac9d9b8ee6dfdeb545a68f49

Quelle:http://linkszeitung.de/images/stories/published/2005/17/kazakhstanenvironmentd24.jpg

Aralsee im Jahr 2010 (Klett)

Auswirkungen

Die Austrocknung des Sees hat umfassende Folgen. Durch Verdunstung entstand über dem See eine Dunstglocke, die den Steppenwinden Einhalt gebot. Das Verschwinden dieser Dunstglocke bewirkt eine Verschärfung des kontinentalen Klimas: heißere Sommer und kältere Winter. Vom ausgetrockneten Seeboden werden jedes Jahr bis zu 100 Mio. t salzhaltiger Staub aufgewirbelt und durch Staubstürme in der Region verteilt. Der Staub enthält auch die Rückstände von Pestiziden und Herbiziden aus den bewässerten Gebieten. 1992 musste der Fischfang im Aralsee eingestellt werden. In den Deltagebieten und an den Unterläufen der Flüsse gingen 550.000 ha Nutzfläche verloren: Felder, Schilfwiesen, Schilfwälder. Das größte Problem der gesamten Region ist die Versalzung. Die meisten Böden der Region haben einen natürlich hohen Salzgehalt in den tieferen Bodenschichten. Die intensive Bewässerung führt dazu, dass dieses Salz an die Oberfläche gelangt. Die Folge ist die Versalzung großer Flächen. Traditionelle Methoden wie flushing (Auswaschen des Salzes durch Schwemmung der Felder im Winter) können das Problem nicht mehr lösen und sind angesichts der Größenordnung der Bewässerung ihrerseits problematisch: das stark salzhaltige Abwasser wird entweder in die Steppe oder Wüste abgeleitet, wo es lebensfeindliche Salzseen bildet oder in den Fluss zurückgeführt, wodurch dessen Salzgehalt erhöht wird. Gleiches gilt für das überschüssige Drainagewasser, das mitunter auf weiteren Feldern für die Bewässerung wiederverwendet wird und damit den Salzgehalt der betreffenden Felder weiter erhöht.

Ausblick
Diverse nationale und internationale Projekte versuchen derzeit, die Probleme der Aralseeregion in den Griff zu bekommen. Der nördliche Teil des Aralsees scheint sich zu stabilisieren. Nachdem im Jahre 1997 von der kasachischen Regierung ein erster Deich zwischen den beiden Seen aufgeschüttet wurde, um ein Eindringen des Salzwassers in den nördlichen Teil zu verhindern, stieg der Wasserspiegel wieder an. Gleichzeitig sank der Salzgehalt des nördlichen Sees. Da der ursprüngliche Damm jedoch bauliche Mängel hatte, konnte er dem Wasserdruck nicht standhalten und brach nach relativ kurzer Zeit wieder ein. Im Jahre 2003 griff man die Idee mit dem Bau eines weiteren Damms jedoch wieder auf, der im Jahr 2005 fertiggestellt wurde. Satellitenaufnahmen aus den Jahren 2005 und 2007 belegen eine deutliche Erholung des nördlichen Aralsees. Man nimmt an, dass dort in einigen Jahren wieder Fischfang möglich sein wird. Gleichzeitig wird versucht, das Bewässerungssystem des Syr-Darja effektiver zu gestalten, um wieder einen größeren Zufluss sicherzustellen.
Der südliche Teil des Aralsees jedoch scheint dem Untergang geweiht. Die Bewässerungsflächen des Amu-Darja lassen so gut wie kein Wasser mehr zum See vordringen, dieser ist durch die Belastung von ca. 50 Gramm Salz pro Liter Wasser und diversen Chemikalien biologisch tot. Seine Wasserfläche nimmt derzeit immer noch ab.
Die Regierung plant ab 2007 ein Bewässerungsprojekt, um die weitere Austrocknung des Sees zu verhindern. Mit einer Pipeline soll dem See aus den Bergen Gletscherwasser zugeführt werden.

www.klett-pressebox.de/sixcms/list.php

Das Lied vom Aralsee

Seit ewigen Zeiten ist er als Aral bekannt

Freunde, der Aral erwartet unsere Hilfe

Er gibt kein Wasser mehr, es fließt davon

Freunde, der Aral wartet auf unsere Hilfe

"Hilfe, Hilfe", ruft er. Er ruft uns, "Hilfe, Hilfe!"

Wir haben es nicht bemerkt, als Tage, Nächte vergingen.

Wir haben es nicht bemerkt, als Monate, Jahre vergingen.

Plötzlich wurden wir es gewahr, der Aral verschwindet.

Freunde, der Aral wartet auf unsere Hilfe, es gibt kein Wasser mehr,

es fließt davon.

"Hilfe, Hilfe", ruft er. Er ruft uns, "Hilfe, Hilfe!"

Wenn wir den Aral nicht retten,

wird es zu spät sein, die Zeit vergeht

Eines Tages wird die Natur Rache nehmen

Freunde, der Aral wartet auf unsere Hilfe, es gibt kein Wasser mehr,

es fließt davon.

"Hilfe, Hilfe", ruft er. Er ruft uns, "Hilfe, Hilfe!"

www.berlinonline.de/

 
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