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  Sekem - Ein Wunder in der Wüste
 

Das ist ein Beitrag über das Projekt DESERT GREENING

Ein anderes Projekt als Seken (unten), was Dipl. Ing. Madjid Abdellaziz hier vorstellt. Er hatte jedoch mit dem Leiter von Sekem Kontakt und übernahm einige Bewässerungslösungen, wie er selbst sagt:
www.alpenparlament.tv/index.php

www.desert-greening.com/Willkommen.html


Vom Wüstenzauber zum Wirtschaftswunder

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Ausgerechnet Wüste. Steinige Einöde, fahlgelb und leer, unwegsames Gelände fernab von jeglicher Infrastruktur und vor allem: fernab von einem Wasser bringenden Kanal. Muss doch verrückt sein, wer hier einen Garten entstehen lassen und mit biologischen Methoden bebauen will.

Willenskraft als Motor

So gesehen passt Ibrahim Abouleish nicht ins Bild:  Der 70-jährige Ägypter hat im österreichischen Graz Chemie, Philosophie und Medizin studiert und hat als promovierter Pharmakologe in Deutschland, Österreich und den USA gearbeitet.

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Wenn er in seiner ruhigen, grundfesten Art von Sekem erzählt, wird klar, dass Willenskraft und Weitsicht Motor für die Umsetzung seiner Vision waren: „Wenn in dieser Einöde und unter diesen extrem widrigen Umständen die biologisch-dynamische Landwirtschaft und alles, was ich mir nach meinem inneren Bild hierher wünschte, gelingen würde, dann wäre dieses Modell auch auf einfachere Verhältnisse übertragbar“, erklärt Ibrahim Abouleish seine durchaus eigensinnige Entscheidung, das denkbar unwirtlichste, 70 Hektar große Stück Wüstenland, 60 Kilometer nordöstlich von Kairo, zu kaufen. Das war 1977.


Rückkehr nach Ägypten

Zwei Jahre zuvor bereiste Ibrahim Abouleish zum ersten Mal seit seinem Fortgang nach Europa Ägypten: Die Armut der Bevölkerung, der Bildungsnotstand und die unlösbar scheinenden Probleme der Landwirtschaft erlebte er als eine Katastrophe.

Zurück in Österreich reifte Ibrahim Abouleishs Entschluss, in Ägypten durch biologisch-dynamische Landwirtschaft eine neue, eine bessere Basis für die Menschen zu schaffen. Mehr noch: Gesunde Produkte herzustellen und eine ganzheitliche Verantwortung für die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen in Ägypten zu initiieren, das waren seine Motive.

1977 also bricht Ibrahim Abouleish seine Karriere und seine Zelte in Europa ab, kehrt mit seiner Familie nach Ägypten zurück, erwirbt eben jenes unwirtliche Wüstenland und gründet  eine Farm, die er Sekem nennt. Sekem ist eine altägyptische Hieroglyphe und bedeutet „Lebenskraft der Sonne“.  

Grundbedingungen zur Schaffung von Leben in der Wüste

Doch um diese Sonnenkraft überhaupt erst nutzen zu können, stellen sich Ibrahim Abouleish in den ersten Jahren des Aufbaus gleich drei zentrale Fragen: Schaffung von Infrastruktur auf dem Sekem-Gelände, Wassergewinnung und Bewässerung der geplanten Anbauflächen und die Energieversorgung. Er löst sie erfolgreich: Heute teilt sich die Farm in mehrere rund drei Hektar große Parzellen für die Felder, eine Straße zieht sich als Längsachse mitten durch das Gelände, es gibt mehrere Brunnen, ein unterirdisches Bewässerungssystem und ein eigenständiges, abgesichertes Stromnetz.

Nachdem diese Grundbedingungen zur Schaffung von Leben in der Wüste sichergestellt waren, begann Ibrahim Abouleish mit der Bepflanzung: Aus 120.000 Setzlingen von Casuarinen, Eukalypten und persischem Flieder erwuchs ein Grüngürtel rund um die Farm, der das Gelände vor Sandstürmen und ungebetenen tierischen Besuchern schützt, Schatten spendet und überdies das Mikroklima reguliert.

Erste Hindernisse


Doch damit war die Sekem-Farm vom hochgesteckten Ziel ihres Gründers noch weit entfernt: Biologisch-dynamische Landwirtschaft bedeutet vereinfacht ausgedrückt: Mischkultur, Fruchtfolge, Kompostpflege und die Beachtung des Einflusses kosmischer Impulse. Doch hier in Ägypten war alles anders: Zum einen verlangte der extrem trockene Wüstenboden eine angepasste und abgestimmte Kombination aus Fruchtfolge und biologisch-dynamischer Kompost- und Präparatekultur. Zum anderen brauchte Ibrahim Abouleish dringend Menschen, die den Sinn und die Bedeutung des Aufwands, der hinter dieser Wirtschaftsweise steckt, überhaupt erst erfassen konnten. „Warum das alles? Der Tierdung hätte doch direkt auf die Erde gegeben werden können, warum also so viel Handarbeit durch das Schichten und Umschichten des Komposts? All das war ihnen völlig fremd“, schildert er die Hindernisse in der anfänglichen Zusammenarbeit mit den Fellachen.

Anpassung der Methoden biologisch-dynamischer Landwirtschaft

Auch diese beiden Hürden meisterte Ibrahim Abouleish. Die erste durch seinen unermüdlichen Forschungsdrang – Sekem betreibt beispielsweise auch ein kleines mikrobiologisches Bodenlabor, um mit Kompostauszügen und ausgetüftelten Bakterienkulturen Boden und Pflanzenwachstum zu beleben – und den Mut, ungewöhnliche Wege zu nutzen: 1981 holte er vierzig Allgäuer Kühe - von der GLS Bank finanziert - per Schiff nach Ägypten, da diese Rasse sich hervorragend für die Kompostwirtschaft eignet. Die zweite durch seine Geduld und seine empathischen Fähigkeiten: „Aus all meinen Erlebnissen wurde mir deutlich, wie wichtig für diese primär in der Empfindung lebenden Menschen das moralisch handelnde Vorbild ist. Über das konkrete Vorleben, das die Menschen hier sogar bis in die Haltung und Bewegung hinein nachahmen, können sie an sich selbst und in ihrer Umgebung vieles verändern. So habe ich auf Sekem selbst den Rechen in die Hand genommen und mit den Menschen geübt, die Wege zu harken, habe mit ihnen gemeinsam die Wände in leuchtendem Weiß gestrichen“, erzählt Ibrahim Abouleish.

Auch in seinem Bekanntenkreis legten sich allmählich die Zweifel der Skeptiker, immer mehr Leute kamen sich einbringende auf die Sekem-Farm. Und damit verselbständigte sich ein weiterer Grundgedanke der Initiative: „Ich betrachte Sekem nicht als Firma sondern als Gemeinschaft, als ein Ideal des Wirtschaftslebens, das auf Brüderlichkeit und nicht auf Konkurrenz und Egoismus gegründet ist“, sagt Ibrahim Abouleish, für den Sekem auch ein Modell des Zusammenlebens der Kulturen ist.

Die ersten Sekem Produkte: Heilkräuter und Tee


1983, sechs Jahre nach der Gründung, begann man auf der Sekem-Farm in bescheidenem Umfang mit dem Anbau von Heilkräutern, die zu Teemischungen verarbeitet wurden – diese Heiltees waren die ersten Sekem-Produkte auf dem ägyptischen Markt. Kurze Zeit später folgte der Handel mit Frischgemüse und Obst. Darüber hinaus entstanden neben scheinbar endlosen Feldern mit Getreide, Kräutern und Gemüse und Alleen von Oleander- und Hibiskussträuchern, auch eine Bäckerei, eine Käserei, eine Öl- und eine Getreidemühle.

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Sekem ist bis heute stetig gewachsen: Auf drei Farmen mit zwischenzeitlich rund 150 Hektar Fläche arbeiten 1.800 Sekem-Mitarbeiter im vielfältigen Anbau von landwirtschaftlichen Produkten und in den Verarbeitungsbetrieben. Nicht nur flächenmäßig hat sich Sekem ausgedehnt: Heute bilden sechs eigenständige Unternehmen, die sich auf einzelne Produktbereiche spezialisiert haben, die Sekem Group. LIBRA produziert, verpackt und handelt mit landwirtschaftlichen Rohstoffen (Reis, Öle, Trockenprodukte, Essenzen), HATOR verpackt und handelt mit Frischobst und -gemüse, SEKEM verarbeitet Kräuter und Gewürze, ISIS stellt Brot, Milchprodukte, Öle und Tees her, ATOS entwickelt und produziert Arzneimittel und CONYTEX verarbeitet Baumwolle und fertigt Kleidung.

Zertifizierung als Erfolgsgarant


Ein beachtlicher Erfolg für einen „Sozialkonzern“: Innnerhalb von 24 Jahren hat sich Sekem zu Ägyptens führendem Produzenten biologisch-dynamischer Lebensmittel, Kräuter und Tees und zu einem der größten Hersteller von Naturkleidung und pflanzlichen Arzneimitteln entwickelt.

Wissend, dass kein biologisches Produkt auf dem Markt ohne Zertifizierung eine Chance hat, kümmerte sich Sekem bereits frühezeitig um eine Niederlassung für Zertifizierungen in Ägypten. Seinem Sohn Helmy, der ihn seit der Gründung Sekems als Geschäftsführer (CEO) unterstützt, gelang es schließlich 1990,  über den Kontakt zum Demeter-Bund in Deutschland, die COAE (Centre of Organic Agriculture in Egypt) zu gründen. Diese unabhängige Kontrollstelle ist von der EU akkreditiert und inspiziert heute neben Sekem alle Höfe in Ägypten, dem Iran und Sudan nach den internationalen Richtlinien für ökologische Landwirtschaft. Bis auf wenige Ausnahmen tragen alle Sekem-Produkte das Demeter-Zertifikat. Nicht zuletzt dadurch konnte der wirtschaftliche Erfolg gestützt und ausgebaut werden: Fast 70 Prozent der Sekem-Produkte werden in Ägypten verkauft, der Rest wird nach Europa und in die USA exportiert, die Wachstumsraten liegen bei 20 bis 30 Prozent im Jahr.

Soziales und kulturelles Engagement


Wohin die Gewinne fließen, darüber gibt der Leitgedanke von Sekem Aufschluss: „Lernend arbeiten, arbeitend lernen“. Bereits 1983 gründete Sekem die Society of Cultural Developement in Egypt (SCD) für Bildungsarbeit auf Non-Profit-Ebene. Das ägyptische Steuergesetz erlaubt, dass anstelle von Steuern auf den Gewinn im Umfang von maximal 7 % Zuwendungen an gemeinnützige Organisationen geleistet werden. Diese Grenze schöpft Sekem vollständig aus. Darüber hinaus finanziert sich die SCD durch Zuwendungen aus dem In- und Ausland. Sprich: Die Gewinne der Sekem-Farm werden in gemeinnützige Aktivitäten investiert, dazu gehört der Sekem-Kindergarten, eine Schule, ein berufsbildendes Zentrum, eine Akademie für angewandte landwirtschaftliche und pharmazeutische Forschung, ein Zentrum für heilpädagogische Betreuung, ein Theater, seit kurzem eine Universität  und ein medizinisches Zentrum. Hier werden beispielsweise nicht nur die Mitarbeiter und Schüler der Sekem-Farm betreut, mittlerweile nutzen jährlich 30.000 Menschen der umliegenden Dörfer, die dort teils noch immer unter erschreckenden hygienischen Bedingungen leben, den medizinischen Service der Farm.

Die SEKEM Universität wird ab Oktober 2007 den wichtigen Standort Ägypten für hochwertige Hochschulausbildung in der arabischen Welt verstärken und schwerpunkt¬mäßig mit folgenden Fachbereichen ausgestaltet sein: Ingenieurwissenschaften, Betriebswirtschaft, Pharmazie, Dentalmedizin, Pädagogik, Theater, Eurythmie, Architektur.


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Ein zusätzliches, obligatorisches Bildungsangebot, das Elemente kultureller und künstlerischer Arbeit mit wissenschaftlicher Forschung interdisziplinär verbindet, wird das fachbezogene Studienprogramm ergänzen (Studium Fundamental).

Auszeichnung für Sekem als Unternehmensmodell des 21. Jahrhunderts


Das grenzenlose Denken, mit dem der Aufbau und Erfolg von Sekem verwirklicht wurde, umfasst nicht nur die sozialen Einrichtungen, medizinische Versorgung und kulturellen Angebote für Mitarbeiter und Menschen der Umgebung. Sekems verantwortliches und innovatives Handeln für das Land und die Einhaltung der Prinzipien des fairen Handels, der allen Menschen innerhalb der Wertschöpfungskette vom Erzeuger bis hin zum Verbraucher faire Preise, Wertschätzung und hohe ethische Standards zusichert, zeugt von einer immensen Konsequenz hinsichtlich der ökologischen, sozialen und kulturellen Erneuerung Ägyptens.



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Durch diese Einzigartigkeit in unternehmerischem Denken, das eben mehr umfasst als sich nur um beeindruckende Bilanzen zu kümmern, zieht Sekem viel Aufmerksamkeit auf sich: Fördervereine, beispielsweise in Deutschland, Holland und der Schweiz unterstützen Sekem tatkräftig wie finanziell,  2003 erhielt Sekem von der Schweizer Schwab Foundation die Auszeichnung „Sozial engagierter Unternehmer 2004“ und kurz darauf würdigte die Jury des Right Livelihood Award, wie der alternative Nobelpreis offiziell heißt, Sekem als ein Unternehmensmodell für das 21. Jahrhundert.

Und diese Aufmerksamkeit und Unterstützung braucht Sekem: „Man ist nicht tüchtig allein! Und ohne Sekem würde der Welt etwas fehlen“. Ibrahim Abouleish hat Recht.


Weiterführende Links und Downloads zu Sekem


www.gls.de/unsere-angebote/beteiligungen/geschlossene-fonds/sekem-eine-erfolgsgeschichte.html
 
  Ab 1.4.2008 :
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Ab 24.10.2009 :
http://www.andyhoppe.com/count/?id=1254235912